„Verantwortung hat, wer mit dem Tier umgeht!“

„Hier in diesem Haus leben und den Betrieb führen zu dürfen – das erfüllt mich schon mit Ehrfurcht“, sagt Friedrich von Möller über den Ort, der ihm zugleich Arbeitsplatz und Heimat geworden ist: der Gutshof in Groß Langerwisch.

Nach Zerstörung im 30-jährigen Krieg entstand das Gut, das seine Wurzeln in einem einstigen Rittersitz hat,1753 an der heutigen Stelle neu. Ende des 19. Jahrhunderts ging es in den Besitz der Familie zu Putlitz über, die schon seit langem in der Prignitz ansässig war. Mit der Bodenreform 1945 mussten die Eigner fliehen. Seit 1995 bewohnt Friedrich von Möller mit seiner Familie einen Flügel des 1826 erbauten Gutshauses – und hält bis heute Kontakt zu den einstigen Besitzern, deren Schicksal ihn stark berührt.

 

Ohne Computer geht inzwischen auch in der Landwirtschaft nicht mehr viel. Hund "Schotty" leistet Friedrich von Möller bei der Büroarbeit gerne Gesellschaft.

Aus langjähriger beruflicher Erfahrung im Agrarbereich bringt Friedrich von Möller fundierte Kenntnisse mit: „Die Wurzeln unserer Familie liegen in der Landwirtschaft. Ich komme von einem Gutshof in der Lüneburger Heide.“ Der Lehre in einem Schweinemastbetrieb folgte das Studium in Göttingen und eine Tätigkeit als Verwalter.

Mit seiner jetzigen Tätigkeit als Geschäftsführer auf dem Gutshof könne er sich „sehr stark identifizieren“, sagt der Diplomagraringenieur. Probleme in Betrieben mit herkömmlicher Schweinehaltung gibt es seiner Ansicht nach nur dann, wenn unverhältnismäßig gewirtschaftet wird: „Diskrepanz entsteht, wenn zuviele Tiere auf zuwenig Fläche gehalten werden. Bei einer Betriebsgröße jenseits von 1.000 Hektar, wie wir sie haben, und bei der Zahl der Schweine, die wir im Jahr produzieren, ist das kein Problem. Ich kann auch rundum meine Flächen vernünftig mit Gülle bedienen.“

Auf dem Gutshof arbeiten nur Fachkräfte. Etliche Mitarbeiter sind schon viele Jahre dabei.

Das Gutshaus in Groß Langerwisch, einst im Besitz der Familie zu Putlitz, hat eine lange Geschichte.

Als Geschäftsführer der W. Hölscher und Dr. R. Hölscher GbR betreut der Diplomagraringenieur die gutshofeigene Schweinemast und setzt damit vor Ort eine langjährige landwirtschaftliche Tradition fort.Zu DDR-Zeiten war das Volkseigene Gut (VEG) Groß Langerwisch der zweitgrößte Standort für die Zucht von Merino-Schafen. Ab 1973 gab es dort auch eine Pferdeherdbuchzucht, um die Wendezeit noch Milchkühe. Übrig geblieben sind heute einzig die Schweine.

Auf dem weitläufigen Areal sind die Tiere in mehreren Ställen untergebracht – pro Gebäude mit je zwei Abteilungen sind es umd die 1200 Schweine, die gruppenweise in Buchten leben. „Die Anlage wird rein-raus gefahren“, erzählt Friedrich von Möller. Das bedeutet konkret, dass ein Stall immer komplett belegt wird. Nach Mast und Vermarktung der Schweine bezieht eine neue Gruppe den gereinigten und desinfizierten Stall. Diese Regelung dient der Vorbeugung gegen Krankheiten ebenso wie das Prinzip, die Ferkel stets von derselben Sauenanlage in Mecklenburg- Vorpommern zu beziehen: „Die beliefern uns regelmäßig alle 14 Tage. Wir wissen genau, was das für Ferkel sind, welche Vorzüge und Nachteile die haben, wo die herkommen, welchen Gesundheitsstatus die haben.“ Bei den sogenannten Mastläufern handle es sich um Kreuzungen: Deutsche Landrasse x Deutsches Edelschwein angepaart mit einem Pietrain-Eber: „Der bringt das Magerfleisch rein.“

Die Ställe des Gutshofs machen nur einen Bruchteil des gesamten Areals aus. Die Anzahl der Tiere steht in vernünftiger Relation zur Betriebsgröße.

Den Flächen kommt im landwirtschaftlichen Kreislauf besonderer Stellenwert zu: „Die Kombination Ackerbau und Schweinemast ist eine vernünftige. Wir sind jetzt auch zu eigenem Futter übergegangen.“ Rund 5.000 Tonnen Getreide benötigen die Tiere pro Jahr. „Die kann ich auf meinem Betrieb vollständig erzeugen“, sagt Friedrich von Möller zufrieden. „So ist das eine runde Sache.“

Die Fütterung in den Ställen erfolgt viermal am Tag – „personengesteuert automatisch“ nennt der Geschäftsführer das Vorgehen, das den Schweinen über eine Flüssigfütterungsanlage eine Art Müsli in die Tröge leitet. Und auch Raufutter – eine Maßgabe des auf dem Hof etablierten Tierwohl-Siegels – steht zur Verfügung. Die Schweine des Gutshofs erhalten ihre Ration aus Körben, die mitten in die Buchten gehängt werden: „Da können die sich frei bedienen.“

Sich über gesetzliche Vorgaben hinaus für ein Siegel qualifiziert zu haben, kann für Landwirte bedeuten, dass der Spagat zwischen ökologischen und ökonomischen Anforderungen noch größer wird. Das Tierwohl-Siegel bringt ein paar Cent mehr pro Kilo Schwein, ist aber auch mit mehr Arbeit und mehr Kontrolle verbunden. „Druck und Aufwand werden für uns größer“, sagt Friedrich von Möller. Aber eine andere Wahl hat er kaum: „Man darf sich der Sache nicht verwehren. Am Ende hängen wir ja am Kunden.“ Und um dessen Vertrauen ginge es letztlich: „Der muss ja unser Fleisch essen. Und er muss sagen können: Ich kaufe bedenkenlos.“

Die technische Überwachung ist im Betrieb ebenso von Bedeutung wie die veterinärmediznische: „Der Tierarzt ist regelmäßig auf dem Hof und überwacht die Behandlung der Tiere. Sie können ja nicht einfach verabreichen, was Sie wollen.“ Ganz wesentlich, so Friedrich von Möller, sei jedoch die menschliche Achtsamkeit hinsichtlich der Tiere in den Ställen: „Bei zwei Fütterungen am Tag gehen wir mit. Kontrolle ist ein ganz wichtiges Kriterium bei jeder Tierhaltung. Zweimal am Tag wird jedes Tier in Augenschein genommen.“

„Das Auge mästet das Vieh“, zitiert der Geschäftsführer eine althergebrachte Weisheit, die für ihn bis heute Bestand hat. „Der Computer kann es nicht, die Technik kann es nicht … Verantwortung hat derjenige, der mit dem Tier umgeht“. Daher setzt er auf qualifizierte Mitarbeiter. Acht sind es insgesamt, und einige davon sind schon Jahre auf dem Gutshof beschäftigt. Den Rekord hält eine Mitarbeiterin, die sich schon seit zwei Jahrzehnten um die Schweine kümmert. Ein wichtiges Thema ist für Friedrich von Möller auch die Nachwuchsförderung. So ist er nicht nur Mitglied der Prüfungskommission, er bietet in seinem Betrieb auch selbst die Möglicheit einer Ausbildung: „Ich bilde den klassischen Landwirt aus. Bisher habe ich auch jedes Jahr einen Lehrling gefunden.“