„Darmgesundheit ist ein großes Thema“, sagt Susanne Gellert. „Eine vernünftige und ausgewogene Futterzusammenstellung ist unser Hauptarbeitsmittel.“

Etliche Farmen der ZNVG entsprechen den Anforderungen der Initiative Tierwohl für die Schweinehaltung. Manche gehen als Lieferanten für das Markenfleischprogramm eines norddeutschen Unternehmens sogar darüber hinaus. In Karrenzin gilt bislang QS-Standard. Entsprechend erfolgen die Kontrollen, denn es gilt bestimmte Vorschriften zu beachten. So dürfen zum Beispiel in Karrenzin nur Ferkel aus einem Betrieb eingestallt werden, der ebenfalls QS-zertifiziert ist. Die Tiere stammen sämtlich aus Verpaarungen von Schweinen aus dänischen Mutterlinien mit Duroc-Ebern: „Das sind Hochleistungssauen, die 14 Ferkel aufziehen können.“ Gefragt ist bedarfsgerechte Produktion: „Wir haben diese Sauen mit den vielen Ferkeln, weil sie genau so vom Schlachthof gebraucht werden. Die Mast muss sich an den Wünschen des Schlachthofs orientieren.“

„Eher zufällig“ sei sie an die Schweine geraten, erzählt Susanne Gellert, die ihr Studium der Tierproduktion an der Rostocker Universität als Rinderzüchterin abschloss. Mit Schweinen aber hatte sie sich bereits in ihrer Diplomarbeit befasst, und erste berufliche Erfahrung sammelte sie in der Jungsauenvermehrung. Seit Jahren schon ist Tierernährung ihr Spezialgebiet – und für sie eine Grundvoraussetzung für verantwortungsvolle Schweinemast. Dabei müssen bestimmte Parameter einfach stimmen: „Die heiligen drei Worte sind: Wasser – Futter – Luft! Ohne Wasser geht kein Stoffwechsel“, weiß die Herdenmanagerin um die Bedeutung des Wassers als Futtermittel. Auch die richtige Regulierung des Luftaustauschs durch Zwangsentlüftung in den Ställen ist ein Muss, denn Schweine reagieren empfindlich auf jedes Zuviel an Kälte, Wärme oder Zugluft. Besondere Bedeutung kommt schließlich auch dem Futter zu, das den Schweinen über ein Flüssigfütterungssystem in die Tröge geleitet wird.

„Darmgesundheit ist ein großes Thema“, sagt Susanne Gellert. „Eine vernünftige und ausgewogene Futterzusammenstellung ist unser Hauptarbeitsmittel.“ Das Futter wird als Fertigmischung zugekauft: „Wir füttern ganz klassische Rezepturen, die auf alle Fälle auf Getreidebasis beruhen. Gerstenreiche Mischungen, damit wir auch genügend gute Faser an die Tiere bekommen.“ Weitere Bestandteile sind Weizen und Soja: „Das Soja brauchen wir, um genügend gut verdauliches Eiweiß in die Tiere zu bekommen. Das ist wohl auch möglich mit einheimischen Komponenten wie der heimischen Ackerbohne. Nur: Wir haben hier nicht genug davon.“

Auch gesetzliche Regelungen schränken die Möglichkeiten ein – seit der BSE-Krise ist die Fütterung von tierischem Eiweiß verboten. „Wenn wir Tiermehle verfüttern dürften, könnten wir die Schlachtabfälle viel besser veredeln“, ist Susanne Gellert überzeugt. „Per Gesetz haben wir das Schwein dazu verdonnert, ein Pflanzenfresser zu sein. Wir haben uns darauf eingestellt und können die Tiere gesund ernähren. Wenn das Schwein aber wählen könnte, wäre es wieder ein Allesfresser.“

Ihre Erfahrungen aus vielen Berufsjahren gibt sie im Arbeitsalltag an Mitglieder der Genossenschaft ebenso weiter wie an die Mitarbeiter, für deren Führung sie verantwortlich ist. Gute Arbeitskräfte, so berichtet die Herdenmanagerin, seien nach dem Futter der zweithöchste Kostenfaktor. Und ebenso schwer zu bekommen wie Lehrlinge: „Wir finden keine – die Lobby ist zu schlecht“, sagt Susanne Gellert. „Wir Landwirte haben die Lobbyarbeit verpennt – wir haben viel zu spät begonnen, darüber zu reden, was wir tun.“.  Die ZNVG zahlt über Mindestlohn und bietet Mitarbeitern auch Möglichkeiten zur Weiterqualifizierung. Doch fänden sich kaum Interessenten, sagt Susanne Gellert – ein großes Problem für eine Branche, die auf  Fachkenntnisse ihrer Mitarbeiter angewiesen ist: „Gute berufliche Praxis – das ist, was wir brauchen!“

Auch deshalb, weil sich die Art und Weise der Tierhaltung in den letzten Jahrzehnten gravierend gewandelt hat. Die früher übliche Haltung am Haus ist längst Geschichte; stattdessen ist der gesamte Prozess von der Aufzucht bis zur Schlachtung auf bestimmte Standorte ausgelagert: „Das ist eben auch so entstanden, weil nicht jeder mehr drei Schweine hinterm Haus hat. Weil es unbequem ist. Weil du angebunden bist. Weil nicht jeder schlachten kann. Weil es mit Blut und Urin verbunden ist. Das macht ja heute keiner mehr. Das wird gerne uns überlassen. Aber hinterher heißt es: Das und das und das macht ihr alles falsch.“ Dabei bedeute die Konzentration auf einen Standort, „dass der Verbraucher auch Verantwortung abgeben kann“.

Gerne würde Susanne Gellert daher die Lobbyarbeit ausbauen. Sinnvoll wäre ihrer Ansicht nach, „rauszugehen aus der Anklagebank und tatsächlich den Weg zu finden zu den Leuten, die meinen, Anklage erheben zu können. Und dann auf Augenhöhe miteinander zu sprechen.“