"Fleisch muss zart und saftig sein ..."

Das Öffnen der Tür bringt Bewegung in den Maststall: ein fremder Eindringling! Schweine in den vorderen Buchten, die eben noch in Ruhe auf der Seite lagen, springen hoch; aufgeregtes Quieken und Grunzen ist zu hören. Landwirt Bernd Cord-Kruse sieht dem Aufruhr gelassen entgegen: „Einmal am Tag treibe ich die Tiere ohnehin auf, um zu sehen, ob alle fit sind.“

Relativ schnell kehrt Ruhe ein. Die Schweine sind neugierig, kommen nun heran und schnüffeln an der unbekannten Besucherin. Unter den zahlreichen gleichmäßig cremefarbenen Rücken finden sich auch etliche gefleckte oder braune. „Vom Herzen her sind wir Zuchtbetrieb“, sagt Bernd Cord-Kruse, der Tiere der Basisrassen Deutsche Landrasse und Deutsches Edelschwein mit solchen der Rassen Duroc, Pietrain und Hampshire kreuzt. „Ich möchte ein Stück Fleisch, das möglichst gut marmoriert ist. Denn Fett ist Aromaträger“, nennt er einen wesentlichen Grund.

Wer Tiere hält, hat auch die Verantwortung für ihr Wohl: Landwirt Bernd Cord-Kruse schaut jeden Tag nach seinen Schweinen.

„Unser Ziel ist, durch gewisse Fütterungsmaßnahmen und vor allem durch eine gewisse genetische Auswahl eine bessere Fleischqualität zu etablieren, die sich durch Zartheit, Saftigkeit und Geschmack auszeichnet.“ Doch entdecken so manche Verbraucher nur zögernd den Vorteil des höheren Fettgehalts: „Wir Landwirte können noch so ein gutes Stück Fleisch produzieren – es muss halt auch vermarktet werden!“

Anfang der 90-er Jahre kam Familie Cord-Kruse in die Prignitz, um in Lübzow einen Zuchtbetrieb einzurichten. Vier Wochen bleiben die Ferkel nach der Geburt bei den Sauen, um nach dem Absetzen eine Zeit im Ferkelaufzuchtstall zu verbringen. Mit einem Gewicht von 30 Kilogramm geht es für etliche Tiere in den Maststall, wo sie auf etwa 120 Kilogramm aufgefüttert werden. Andere verbleiben in der Zucht.1472 Mastplätze finden sich in dem Stall in Hohenvier, der zu DDR-Zeiten LPG war und nach der Wende eine Zeitlang Rinder beherbergte. Vor dem schweinegerechten Umbau wurde das Gebäude innen komplett entkernt. „Der Stall ist als besonders tierartengerecht gefördert worden“, erzählt Bernd Cord-Kruse. Das Programm der Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) gab dafür die Parameter vor. Unter anderem stehen den Tieren 20 Prozent mehr Platz als gesetzlich vorgeschrieben zur Verfügung, ebenso mindestens drei unterschiedliche veränderbare Beschäftigungselemente wie zum Beispiel Holzstücke an Ketten oder Strohraufen. Vorgeschrieben ist auch die Zahl von mindestens 20 Tieren pro Bucht. Eine weitere Maßgabe für die Förderung sei gewesen, „dass eine Komfortliegefläche mit einem reduzierten Schlitzanteil ausgestaltet wird“, erläutert der Landwirt.

Besuch vor Ort: Jörg Viehmann (links), Geschäftsführer der Firma Altmärker, im Gespräch mit Bernd Cord-Kruse.

Die Anforderungen der ILB für die Förderung des Stalles als tiergerecht gingen noch über die hinaus, die für das Tierwohl-Label gelten. Doch was ist überhaupt Tierwohl? Ein Begriff, der „schwer zu fassen“ sei, meint Bernd Cord-Kruse. „Gesundheit ist die einfachste Voraussetzung, Tierwohl zu erreichen.“

Eine gute Unterbringung ist dafür eine wichtige Voraussetzung. Die Buchten im Stall sind daher so gestaltet, „dass es einen Aktivitätsbereich mit Fressen, Saufen und Spielen gibt“, ebenso eine Ruhezone. Ihre Geschäfte verrichten Schweine gern außerhalb davon: „In der Regel legen sich die Tiere in den Ecken einen Kotbereich an.“

Zur Gesundheitsvorsorge gehören auch tägliche Kontrollen, sowohl persönlich – im Abferkelbereich bis zu fünf Mal täglich – als auch durch die aufwendige Technik, mit der die Stallungen überwacht werden: „Wenn irgendwas nicht funktionieren sollte, würden wir am Hauptstandort sofort Bescheid bekommen.“ Alle zwei Wochen wirft auch die zuständige Tierärztin einen fachmännischen Blick auf die Schweine.

„Alle Tiere, die hier sind, sind auch hier geboren. Wir kaufen keine zu. Das nennt man geschlossenes System“, erläutert der Agraringenieur seine Arbeitsweise, die ebenfalls der Gesundheit seiner Tiere förderlich sein soll, weil das Krankheitsrisiko dadurch wesentlich verringert wird. Generell legt er Wert auf nachhaltiges Wirtschaften im Kreislauf: Das Futter kommt größtenteils aus eigenem Anbau, und die hofeigene Biogasanlage liefert nicht nur Strom und Wärme, sondern auch Gärreste, die wiederum auf dem Acker verwendet werden.

Einen Auslauf nach draußen einzurichten war in Hohenvier nicht möglich. „Es wäre für die Schweine sicherlich gut, wenn sie nach draußen könnten“, weiß ihr Halter. Doch oftmals, wie eben auch in diesem Fall, gerieten bei Bauvorhaben Tier- und Umweltschutz in Konflikt: „Bei einer offenen Tierhaltung habe ich in der Nähe des Stalles relativ hohe Emissionswerte.“ Aus diesem Grund liegt auch sein Plan einer Bioschweinehaltung an einem anderen Standort bislang auf Eis.

Dennoch fühlen sich Bernd Cord-Kruse und seine Familie längst in der Prignitz heimisch: „Unsere Kinder sind alle hier geboren.“ Ehefrau Ines engagiert sich nicht nur im Familienbetrieb, sondern auch bei den „Länderinnen“, einer Gruppe tatkräftiger Prignitzer Landfrauen. Und auch im weiteren familiären Umfeld ist Landwirtschaft ein Dauerthema: Zwei Geschwister von Bernd Cord-Kruse bewirtschaften eigene Höfe; ein Bruder arbeitet als Entwickler für einen großen Landmaschinenhersteller.

„Bauer sein – das hat auch was mit Werten, mit Bodenständigkeit zu tun“, ist Bernd Cord-Kruse überzeugt. „Wir arbeiten mit Achtung vor dem Leben.“ Er hofft, dass die mit der zweiten Generation schon über 50-jährige Erfahrung seiner Familie in der Schweinezucht noch weiter wachsen darf : „Ich wünsche mir, dass ich zu gegebener Zeit einen zukunftsorientierten Betrieb an meine Kinder übergeben kann.“

Kurze Einweisung vor der Stallbesichtigung: Besucher dürfen nur mit Schutzkleidung hinein.